Exkursion 2007 – Rumänien im Schnittpunkt der Kulturen
Los ging’s am Donnerstag abend in Bamberg mit dem ICE nach München und von dort aus weiter mit dem EC nach Budapest dabei gab es ein paar nette Diskussionen, hauptsächlich über Arbeitstechniken und Studienpläne sowie einiges mit geschichtlichem Hintergrund. Die Schlafwagen haben einen Charme, den ich nicht erwartet hätte und die Betten mehr Komfort als der Schein erweckt hat. Bis auf das ich bei jedem Halt aufgewacht bin verlief die Fahrt reibungslos. Selbst die Passkontrolle an der Österreichisch-ungarischen Grenze verlief ohne Probleme.
Angekommen in Budapest ging es dann direkt mit der U-Bahn und zu Fuß in die Nationalbibliothek auf den Schlossberg. Die sog. Führung war nicht mehr als eine kurze Präsentation von Kopien und Katalogen von Handschriften auf einem gut frequentierten Flur. Danach durften wir noch die weiteren Flure des Gebäudes kennenlernen und Wünsche für eine gute Weiterfahrt entgegennehmen. Nach einem überaus teuren aber leckeren Mittagessen in einem netten Lokal ging es dann in der entstandenen Kleingruppe weiter Richtung Semmelweiß-Museum. Zuerst die richtige Richtung eingeschlagen erhielten wir den Tipp, dass es genau in der entgegengesetzten Richtung liege. Tatsächlich war dort eine Apotheke, welche zum Museum umgewandelt wurde. Das eigentliche Museum konnten wir dann doch noch erreichen und was besonders erfreulich war, war dass beide Museen umsonst waren und das Personal überaus zuvorkommend war. Zum Abschluss des ersten Tages ging der Spaziergang wieder zum Bahnhof auf der Suche nach einem netten Café. Dieses wurde nicht gefunden, aber zusammen mit einer anderen Gruppe zogen wir dann in einem China-Imbiss ein. Am Bahnhof wurde dann wieder das Gepäck aufgenommen und der Zug ca. zwei Minuten vor Abfahrt erreicht und nach schlaffen 10 Minuten waren die Abteile bezogen.
Die Nacht fing dann mit Panikmache an, wonach auf der Strecke Ungarn-Rumänien immer wieder Räuberbanden unterwegs seien, welche in den Zügen auch mit Narkosegas arbeiten würde. Dementsprechend wurden dann auch noch Wachteams gebildet welche die Nacht über im Flur aufpassen sollten. Also, ein erster Tag welcher schon einiges an Ereignissen geboten hat und in der Nacht noch einiges an Spannung bot. Gegen 23 Uhr kam es dann zu einer Passkontrolle, welche ohne einen Blick in den Perso von statten ging. Seit etwa 22.30Uhr hat sich noch eine Gruppe von uns im Speisewagen getroffen, woher die letzten erst gegen halb vier wieder ins Schlafabteil kamen. Bis auf diese Kleinigkeiten war es eine störungsfreie Nacht, auch von Überfällen wurden wir verschont.
Ein deutschsprachiger Rumäne im Speisewagen konnte nach dem Aufstehen ein bisschen was über die Gegend sagen, die wir gerade durchfuhren und so zur Orientierung beitragen. Kaum zehn Minuten später heiß es dann auch schon “Sachen packen” gleich ist Endstation. Also, auch unsere Ankunft in Bukarest. Vom Bahnhof aus ging es dann weiter Richtung Hostel, welches als Ersatz für die doppelt gebuchte Jugendherberge diente. Auf dem ganzen Weg, über mehrere U-Bahn Stationen und einen ordentlichen Fußweg, wurden wir von einem “ungefährlichen Irren” verfolgt, welcher wohl nach dem Kontakt einer Gruppe trachtete. Leider kam dann noch die Polizei zum Einsatz, welche unseren treuen Begleiter als Ausbrecher eines Krankenhauses identifizieren konnte. Nach einer wirklich schnellen Dusche (nach einer langen Wartezeit auf die Zimmer) ging es auch schon weiter mit dem Programm. Zuerst wurde das Parlament besichtigt, welches von außen
überaus imposant wirkt, der zugängliche Teil aber eher langweilig ist. Allerdings kamen wir nur etwa in ein Drittel der Stockwerke. Danach kreuzten wir noch mit per Stadtführung durch den Stadtkern und wurden dann zur freien Verfügung entlassen. Das Abendessen wartete im “Chocolate” und war erste Sahne. Einfach lecker und es hat wirklich gesättigt. Unsere Gruppe bestand aus mehr als zehn Personen, was es natürlich schwierig machte einen gescheiten Platz in einer Bar zu finden. Im “Offside-Pub” konnten wir aber alle an der verlängerten Theke einen Hocker beziehen und den Meter Bier
genießen. Mein “Mojito”, wenn man ihn so nennen kann, hat eher nach Putzmittel mit Alkoholresten geschmeckt und auch so ausgesehen. Die nächste Location bot für mich dann schon mehr. Von außen machte die “Cool 13 Cat” nicht viel her. Sie sah mehr aus wie ein ausgeräumter Ramschladen mit eingebauter Theke. Nachdem es vor der Tür allerdings zu kalt wurde haben wir uns noch in den ersten Stock getraut, was sich als wahrer Glücksgriff erwiesen hat. Bier für 1,25EUR und mit Sitzsäcken und Stühlen gefüllte Räume zum relaxen. Ok, die Musik war nicht mein Geschmack, aber bei der tollen Stimmung hat das keinen Abbruch getan. Gegen ein Uhr waren wir dann zu hause und fertig fürs Bett. Irgendwas hat dann aber doch noch gefehlt… oh, ja, ein Kopfkissen.
Aufstehen um Acht, Frühstück und los. Das Frühstück bestand aus zwei Broten und gefärbtem Zuckergelee für mehr als 24 Personen. Also, ein perfekter Start in den Tag. Zunächst ging es ins Bauernmuseum, weiter mit einer Stadtführung zur Geschichte und Architektur und am Ende folgte dann noch der Besuch des königl. Palastes in dem es Ausstellungen zu verschiedenen Epochen zu sehen gab. Wir nahmen mittelalterliches Kirchenwerk in Augenschein. Zwischendurch war noch Mittagessen angesagt und ein passendes Lokal wurde auch gefunden. Bukarest ist wohl doch kleiner als unsere Marschrouten suggerierten. So waren wir wieder da wo wir letzten Abend aufgehört hatten. Nach dem kulturellen Programm ging es durch strömenden Regen wieder ins Hostel um dem Wasserfluss weiter zu genießen. Diesmal jedoch warm und in der Dusche. Nach und nach ist dann der Rest der Truppe eingetroffen und fand sich zum Morden in Palermo zusammen. Zwischenzeitlich gab es noch Gesprächsrunden zu flachen Witzen und dem globalen Thema Drogenkonsum. Gegen halb eins hat es dem Herbergsvater gereicht und wir wurden deutlich aber bestimmt aus dem Aufenthaltsraum (sein Schlafzimmer) komplimentiert.
Zu einer unerträglichen Zeit, 7.30Uhr, klingelte dann wieder der Wecker um einen neuen ereignisreichen Tag anzukündigen. Unser Luxusbus stand schon seit der Nacht bereit und wir konnten direkt nach dem wieder überaus abwechslungsreichen Frühstück Richtung Curtea de Arges fahren. Dieser wurde uns dann auch umfangreich vorgeführt. Die nächste Etappe war dann Burg Poienari, welche Vlad III. (Dracula) als letzte Rückzugsmöglichkeit diente. Schlappe 1456 Stufen galt es aber vorher noch zurückzulegen um die Aussicht zu genießen und dem Referat lauschen zu können. Nach dem wesentlich schnelleren Abstieg folgte eine weitere Etappe mit dem Bus. Mit diesem verbrachten wir über zehn Stunden auf staubigen Pisten, abgelegenen Winkeln und immer wieder den gleichen Straßen. So kam die Aussicht auf einen Supermarktbesuch dem Eintritt in das Paradies schon sehr nahe. Nach dem erfolgreichen Einkauf ging es weiter in die Nachtunterkunft, dem Kloster Cozia. Auch zu später Stunde wurden wir noch mit drei Gängen bewirtet und konnten nach dem Kampf mit der widerspenstigen Heizung auch gegen halb eins das Bett beziehen. Die Zimmer waren sehr sauber und im Vergleich mit anderen Unterkünften überaus geräumig.
Der nächste Tag wartete schon früh mit dem auf dem ganzen Klostergelände verbreiteten Gesang der Mönche auf. Nach einer fixen Dusche ging es weiter mit dem Frühstück. Dieses bestand ähnlich wie der erste Gang des Abendessens aus Käse, Ei und Tomate mit Weißbrot. Direkt im Anschluss gab es noch Nahrung fürs Gehirn in Form eines Referates zu dem Kloster. Die wieder angeschaltete Heizung tat ihren Dienst vorbildlich und trocknete die Handtücher in weniger als einer Stunde komplett und war wieder bei gefühlten 90°C angekommen. Es folgte wieder einmal eine Fahrt im Bus, dieses mal nach Hermannstadt. Dort konnte nach dem Referat über die ev. Stadtpfarrkirche auch mein Part des Referatmarathons erledigt werden und der Beitrag über das Alte Rathaus wurde dank der Kassiermaßnahmen nur verkürzt vorgetragen. Leider mussten wir Hermannstadt dann auch schon direkt wieder verlassen, obwohl es sicher noch einiges mehr zu sehen gäbe das sich gelohnt hätte. Allein die altbekannten gelben Telefonzellen hätten schon mehr Beachtung verdient gehabt. Als nächster Punkt stand die Wehrkirche in Biertan auf dem Programm. Dieses mal gab es kein Referat, dafür aber einen Vortrag durch die Kirchenverwaltung. Ohne Pause rief dann wieder der Bus, bis wir in Schäßburg ankamen, also Busfahren
ohne Ende auf der gesamten Exkursion. Während der Fahrt kam dann die Erkenntnis, dass schon die Hälfte der Exkursion hinter uns lag, die eigene Arbeit getan war und der vom Druck befreite Teil
begann. Seinen Teil dazu trug auch das Hostel bei, welches neben Bädern auf den Zimmern, Platz und einer urigen Unterkunft auch direkt im Weltkulturerbeteil der Stadt liegt. Da nichts weiter auf dem Programm stand fand sich wieder eine Großgruppe zum Abendessen zusammen. Das Ziel wurde das “Perla” mit gutem Essen und einer Tischkollektion für fast 20 Personen. Den Abschluss des Abends bildete dann wieder das ruhige Gespräch mit Bier im Hostelhof.
Der Mittwoch startete mit einem schockierenden, fast verdrängten Geräusch. Dem Schlagen von Klöppeln auf Metallteile eines Weckers, welches mir fast einen Herzstillstand beschert hätte. Danach gab es Frühstück und es nahte der “normale” Tagesablauf. Referate zu den Verteidigungsanlagen, der Klosterkirche sowie der Bergkirche bildeten dessen Auftakt. Die unendliche Busgeschichte führte uns noch nach Tartlau zur super Kirchenburg, Kronstadts ehemals schwarzer Kirche und zur Trutzburg bei Rasnov. Das Abendessen wurde dann aus der Reisekasse bezahlt und gemeinsam mit Rätsellösen oder -scheitern im Burg Hostel eingenommen. Bis zur Wanderung ins Bett nahm der Abend seinen typischen Verlauf. Karten spielen, Gespräche führen und Bier trinken.
Donnerstag, ein Tag im Schnelldurchlauf: neun Stunden Bus gefahren, B&B in Moldovita mit nettem Zimmer bezogen, mega Abendessen mit drei Gängen genossen und vorher noch Appetit bei einem Kurzbesuch im Kloster mit Vortrag von einer Nonne geholt. Unterbrechungsfrei ging es dann mit Action-Mau-Mau mit Katze und doppeltem Kartenspiel sowie Mord in Moldovita weiter und der Tag endete wie fast immer gegen halb eins. Zu erwähnen wäre noch Qualität der Straßen deren Ausbau zwar im Gange ist, aber noch ähnlich einer unerschlossenen Region ist und somit nicht mehr als eine Schotterpiste ist. Dafür gab es schöne Natur auf bis über 1200m NN.
Durch das Abendessen und den Bewegungsmangel auf der Busfahrt motiviert wollte ich eigentlich eine Runde joggen gehen. Leider waren die Haustüren gegen 6.30 Uhr noch verschlossen und ich wollte nicht wie ein Einbrecher durch die Fenster steigen, weshalb mich das Bett bis kurz vorm Frühstück wieder hatte. Mit Putna (+Eremitenhöhle), Sucevita und Moldovita standen drei Klöster auf dem Tagesprogramm, welche sich doch überaus ähnlich waren. Überaus schön anzusehen und sehr interessant, aber nach der dritten Wiederholung ging der Truppe doch merklich der Elan verloren. Bis zum Abendessen waren es dann
noch drei Stunden welche durch fleißiges Nichtstun überbrückt werden konnten. Es folgte ein weiteres leckeres Drei Gänge Menü, das auch schon den Gedanken zum bleiben weckte. Schon fast traditionell ging es weiter mit Mau-Mau und Morden.
Der letzte Tag in Rumänien hatte nur noch einen Pflichtprogrammpunkt, aus dem dann doch noch Drei geworden sind. Zum einen noch mal zwei wunderschöne Klöster: Voronet und Humor. In Humor gab es noch einen besteigbaren Turm in dem man leicht zu verteidigende, aber schwer begehbare (da nur ca. 5cm breit) Aufgänge zu bewundern gab. In Suceava schauten wir uns noch die Burg an, welche den Moldaufürsten als Residenz diente. Auch die Abfahrt folgte hier nach einem kurzen Aufenthalt zur Stärkung in der Umgebung und zum verwerten der letzten Lei. Im Zug wurde die Action ein wenig aus dem Mau-Mau genommen, aber der improvisierte Tisch (Trolley) bot einfach nicht genug Fläche. Der Zwischenstop zum Umsteigen auf den Nachtzug stellte sich dann doch nicht so schlimm dar, wie es prognostiziert wurde. So gab es nicht nur eine Bahnhofshalle sondern auch Kioske und eine Kneipe. So verging die Zeit doch recht schnell und wir konnten zitternd den Zug von Beclean pe Somes nach Budapest besteigen. Die Grenzkontrollen verliefen schnell und unkompliziert und so war Budapest schneller da als erwartet.
Da doch schon einiges gesehen war, war die erste Station das Parlament. Und nachdem wir einige wenige Stunden gewartet haben konnten wir uns die Karten holen um noch ne Stunde totschlagen zu können bis die Führung startete. In der Nähe fanden wir dann noch ein nettes kleines Café mit extrem leckeren Backwaren. Man hätte auch noch ein paar mehr Stunden da bleiben können und die Theke durchprobieren bis man nicht mehr laufen kann… Zurück zum Parlament. Die Führung war relativ schnell, vor allem im Vergleich zur Wartezeit, aber es lohnt sich das Gebäude auch von innen gesehen zu haben. Der Rest des Tages war dann mehr oder weniger ein langer Spaziergang mit Zwischenstopps in einer Kneipe zum Essen und in einer Sportsbar nah am Bahnhof. Im Zug war das Prozedere das Gleiche wie sonst auch. Also, Betten beziehen, warten bis der Speisewagen angekoppelt war und dort noch ein paar Bierchen trinken bis das Bett ruft. Leider haben wir dann in München unseren Anschlusszug wegen einer Verspätung verpasst, konnten aber den nächsten ICE nehmen und waren dann doch noch früher daheim als geplant.
Was noch zu sagen bleibt: Eine auf jeden Fall super gelungene Exkursion. Eine tolle Gruppe und ein schönes Land. Besonders wenn man sieht, dass Energie in eine bessere Infrastruktur gesteckt wird freut man sich auch in Zukunft noch einmal eine Reise zu wagen. Es gibt sicher noch einiges zu sehen und manches hätte mehr Zeit verdient und steht somit jetzt schon auf der Liste für einen zukünftigen Besuch.





*lach* das tut mir aber leid, dass dich mein Wecker so unsanft geweckt hat
Aber ein schöner Bericht und eine gute Stütze zur eigenen Rekapitulation!
Ich hoffe es hilft auch noch wenn wir vergreisen und unseren Enkeln erzählen wies war