Bereits im Juli hatte ich das Vergnügen zu einer Expertenanhörung der HRK zum Thema „Web 2.0 – Herausforderungen und Chancen für die Hochschulen“ eingeladen gewesen zu sein. Nicht nur das Thema ist sehr spannend, sondern auch die Anhörung an sich hat mich sehr beeindruckt. Im Oktober und nun auch im Dezember sind zwei weitere Treffen, die sich vorrangig mit den Potenzialen des Web 2.0 in der Lehre befassen. Hierzu sind zwar nur die wissenschaftlichen Experten geladen, diese nutzen aber direkt die Möglichkeiten des Themas und bitten im E-Learning 2.0-Blog um Mithilfe.
Hierfür stehen ein paar Leitfragen zur Verfügung, die ich mit Hilfe von verschiedenen Lehrveranstaltungen bearbeiten möchte. Sehr weit ins Detail geht es leider nicht, da die Nutzung von Web 2.0 Diensten immer noch nur sehr eingeschränkt an die Dozenten vorgedrungen ist.
Was sind die Rahmenbedingungen der Lehrveranstaltung (Fachrichtung, Veranstaltungsform, Gegenstand und Ziel der Veranstaltung, Anzahl der Studierende usw.)?
Veranstaltungen, die effektiv im Web 2.o arbeiten, liegen meist in ihrer Teilnehmerzahl bei 30 oder weniger Personen. Alles was über viel mehr Teilnehmer verfügt, macht es den Dozenten nahezu unmöglich die Teilnehmer zu betreuen und auch deren Arbeit zu bewerten. Im Allgemeinen sind es auch meistens Veranstaltungen, die sich mit dem Internet auseinandersetzen oder die aus Fachrichtungen kommen, die sich eben auch inhaltlich mit dem Web 2.0 befassen. Es scheint also schwer für “fachfremde” Fächer sich der neuen Technologien zu bedienen.
Meistens steht dann eine Einführung in das Thema und die beabsichtigten Tools auf der Tagesordnung. Dabei spielt es keine Rolle ob es sich um eine Vorlesung oder ein Tutorium handelt. Wie mit diesen dann gearbeitet wird hängt dann häufig von den Dozenten und den Lernenden ab. Oft bleibt es aber bei der Kommunikation innerhalb der Gruppe und Funktionen bleiben bei dem was der Dozent vorgestellt hat. Die Inhalte haben meistens den Vorrang, das Verständnis und der Umgang mit den Tools erscheint zweitrangig.
Welche Web-2.0-Werkzeuge kamen in welcher Form zum Einsatz?
Dadurch dass die Uni Bamberg mit dem Virtuellen Campus (im Endeffekt nur moodle) ein geschlossenes System hat, wird dieses auch entsprechend oft eingesetzt. Dass es sich hierbei nicht wirklich um Web 2.0 handelt sehe ich vor allem in der Geschlossenheit und den eingeschränkten Funktionen. Man kann selbst keine Gruppen, Veranstaltungen oder Foren erstellen, die Wiki-Funktion ist kaum mehr als die Möglichkeit ein paar Seiten zu erstellen und zu verlinken, Blogs fehlen, Kommentare nur in Foren möglich und genutzt wird meistens nur die Ankündigungsfunktion sowie die Ablage von Dokumenten durch die Lehrenden.
In wenigen anderen Veranstaltungen kamen auch “echte” Web 2.0 Tools zum Einsatz. Zum einen Wikis für Projektseminare, oder auch einmal twitter (wobei das ein Reinfall war, da die Dozentin selbst keine Ahnung davon hatte obwohl sie es als “das große Ding des Augenblicks” bezeichnete). Wikis wurden vor allem als Ersatz zu starren Strukturen von Seminararbeiten und zur kollaborativen Erstellung dieser eingesetzt, aber auch als Sammlung von Links und Ideen. twitter fand nur den Weg des Flurfunks, mit 1-2 Ausnahmen bei denen themennahe Links gepostet wurden.
Seit Neustem scheint sich auch doodle einen Platz zu suchen. So wird es in letzter Zeit immer wieder für Ausweichtermine oder Wunschräume genutzt. Sicherlich eine gute Möglichkeit um das Lehrangebot auch bei Krankheit oder Abwesenheit des Dozenten aufrecht zu erhalten.
Welche Faktoren haben maßgeblich zum Erfolg des Einsatzes beigetragen?
Es kann leider in diesem Fall kaum von Erfolg gesprochen werden. Es wäre wohl die Einfachheit der Funktionen zu nennen, der offene Zugang ohne zig verschiedene Nutzerkonten zu haben, ein direkter Nutzen für die Veranstaltung sowie Unterstützung und Förderung bei der Nutzung der Tools durch den Dozenten. Dieser muss die von ihm vorgestellten Tools allerdings selbst nutzen, oder zumindest (deren Nutzen) verstehen.
Welche Schwierigkeiten/Widerstände traten auf (gern sowohl auf der Mikro- (Student oder Dozent), Meso- (Seminar gesamt) als auch auf der Makroebene, also z.B. mit dem Rechenzentrum oder gar der Universitätsleitung)?
Ein großes Problem scheint sowohl bei Dozenten als auch Studenten zu liegen wenn neue Services genutzt werden. Die Meisten bleiben bei dem, was sie kennen und sind nur schwer von neuem zu überzeugen. Wenn es funktionieren soll, muss eben Anleitung geboten und der Service vorgelebt werden. Dabei reicht es dann nicht aus, nur vor der jeweiligen Sitzung einmal in den Dienst zu schauen. Der Dozent muss kontinuierlich den Arbeitsfortschritt begleiten und nicht nur stichprobenartig zu den Terminen die Lage checken.
Auf Mesoebene ist wohl die Gruppengröße zu nennen. Für ein Wiki sollte eine größere Gruppe vorhanden sein, für einen Blog oder twitter scheinen kleinere Gruppen besser zu betreuen zu sein. In größeren Veranstaltungen bietet es sich an, verschiedene Arbeitsgruppen zu bilden und diese rotieren zu lassen, damit eine hohe Vernetzung und somit gegenseitige Kontrolle möglich wird. Es muss immer eine kritische Masse an aktiven Nutzern vorhanden sein, die den Rest mitziehen können. Der Dozent könnte dies in kleinen Gruppen durch seine Machtposition erreichen, in großen Gruppen muss diese sich selbst überwachen.
Die übergeordneten Ebenen wie Unileitung und Rechenzentrum sowie Rechtsabteilung könnten dem Einsatz von Services, die nicht im Haus gehostet sind, mit Bezug auf Datenübermittlung blockierend gegenüberstehen. Ein Beispiel hierzu ist die Infomap von Feki.de, die erst nach einem Opt-In geladen werden kann, aber auch der Virtuelle Campus zeigt die Tendenz offene Systeme auszuschließen. Dabei sind diese es, die die Vernetzung mit anderen Studierenden und Forschern ermöglichen und so das ganze Wissenschaftssystem voran zu bringen.
Abschließend muss ich nochmals betonen, dass Web 2.0 an Hochschulen ist nicht gleich eLearning ist. Neben der Lehre ist natürlich auch die Forschung zu beachten und auch der ganze Verwaltungsapparat. Ein schönes Beispiel hierzu ist in Bamberg die Bibliothek. Diese präsentiert sich seit Kurzem auf facebook und nutzt dieses als Möglichkeit Termine und Informationen zu verbreiten. Aber auch eine Kontaktmöglichkeit ist so geschaffen worden.

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