Tocotronic zum Trotz und der Neigung entsprechend kam gestern abend der in der Überschrift genannte Vortrag auf das Programm. Dabei ging es um eine von der FoNK durchgeführte Studie der Nutzer des Bildblogs. Zunächst wurden einige Begriffe wie Medienjournalismus als 5. Gewalt (was ich recht überzogen finde), Watchblogs und das Bildblog ansich kurz angerissen. Die Umfrage wurde von etwa 25.000 Nutzern angefangen, knapp 20.000 Fragebögen konnten dann in die Analysen einfließen. Diese ungeheure Zahl rief offensichtlich großes Erstaunen hervor (“Wow”, “Ich bin baff”), da auch optimistische Schätzungen im Forscherteam mit nur etwa eintausend Teilnehmern rechneten.
Die Nutzer des Bildblog unterscheiden sich scheinbar deutlich von den normalen Internetnutzern. So sind 86% männlich, 54% 20-29 Jahre alt und 82% besitzen das Abitur oder einen höheren Bildungsabschluss. Über 90% sind berufstätig, Schüler oder Studenten und dementsprechend ist das Einkommen auch relativ niedrig (52% beziehen unter 2000€ im Monat). Erstaunlicherweise lesen zwei Drittel der Nutzer NICHT die Bild. Auch sind die Nutzer, mit 4,6 Stunden pro Tag im Internet, offensichtlich Vielsurfer.
Bildblog kann nach der Umfrage auf eine große Stammleserschaft zurückgreifen, welche zu 30% per Mundpropaganda und zu 38% durch Internethinweise auf das Angebot aufmerksam wurden. Dazu lesen sie sehr regelmäßig mit und erhalten durch den Blog Spaß, Bildkritik und sehen so Fehler der Bild.
Die publizistische Leistung des Angebots ist vor allem eine indirekte Qualitätssteigerung, weniger ist ein direkter Einfluss auf Bild zu erkennen. Es wird kritisiert, dass zu viele Kleinigkeiten moniert werden und nur wenig Hintergründe und große Fehler thematisiert werden.
Das Fazit zum Erfolg des Bildblog bestand aus einer Gleichung:
Information + Kritik + Gemeinsamer Feind + Unterhaltung = Aufgeklärtes Publikum
Leider wurden keine politischen Items erhoben, also ob die Leser z.B. eher linksgerichtet sind. Auch kamen von Seiten des Bildblog noch keine Reaktionen auf die Studie.

